Zur Beurteilung der Person Reinhard Heydrich sind neue Details aufgetaucht, die Präzisierungen und Vertiefungen erforderlich machen. Das betrifft Heydrichs Frühzeit und sein Weg in die SS, die Ausübung des Protektorats über Böhmen und Mähren und seine Rolle als Chef des SD und des RSHA, aber auch seine Verstrickung in die NS-Judenpolitik.
Über einen unheiligen Allianzversuch zwischen Hakenkreuz und Davidstern berichtet eine israelische Dissertation, die auf einen Teil der gesperrten Yad-Waschem-Archivakten zurückgreifen konnte. Auch diese neuen Forschungsergebnisse finden Eingang in die Neuauflage der Heydrich-Biografie von Günther Deschner. Der Lebensweg des bürokratischen Perfektionisten und seine Verstrickung in die Welt des Bösen erhalten neue, bemerkenswerte Facetten.
Klappentext
Keine der Größen des Dritten Reiches war rätselhafter und umstrittener als Reinhard Heydrich. Den einen gilt er als Triebfeder der Judenverfolgung, andere dichteten ihm selbst eine jüdische Großmutter an. Er spielte Violine, dass es seinen Zuhörern die Tränen in die Augen trieb - aber mit einer einz
... mehrigen Unterschrift brachte er Tausende in die KZs. Auf dem Höhepunkt seines Lebens verfügte er über eine Machtfülle, die ihn zum Herrn über Leben und Tod im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten machte.
Seine Karriere war ein Senkrechtstart. Mit 27 Jahren war er Chef des Sicherheitsdienstes des Reichsführerers SS (SD), mir 32 gebot er über die Geheime Staatspolizei und die deutsche Kripo, zu Kriegsbeginn wurde das Reichssicherheitshauptamt in Berlin, ein gigantischer Sicherheitsapparat, eigens für ihn geschaffen. 1941 schickte ihn Hitler überdies als seinen Statthalter nach Prag. Mit der Politik von Zuckerbrot und Peitsche gelang es ihm, in wenigen Monaten die Vergewaltigung der Tschechen in Verführung und das unruhig gewesene Protektorat in eine gut funktionierende deutsche Waffenschmiede umzuwandeln.
Auch aus diesem Grund ließ ihn die tschechische Exilregierung durch zwei aus England eingeflogenen Fallschirmagenten im Mai 1942 mit einem Terroranschlag ermorden. Neben allen anderen Aufgaben war Heydrich noch die Endlösung der Judenfrage anvertraut, die er von der Auswanderung bis zu den Anfängen der Massentötung organisierte. Allerdings: Die Zionisten bewunderte er, mit ihren Organisationen arbeitete er - wie der Autor ausführlich beschreibt - teilweise eng zusammen. In ihm wurde wie in keinem anderen der SS-Staat manifest. Mehr als alle ideologischen Positionen des Nationalsozialismus fesselten Effizienz, Perfektion und Macht Heydrichs Verstand.
Man hat ihn als „Hitlers schlimmsten Henker” bezeichnet. Das ist nicht abwegig, aber es trifft allenfalls die eine Seite der Medaille. Heydrich war weit mehr als nur ein „Führer” vom Kaliber der Göring, Ribbentrop oder Rosenber: Heydrich war, wie der Autor schreibt, „ein Nationalsozialist von identischer Identität”.