Die drei spröden nordischen Schönheiten
Das Baltikum mit seinen vielen dichten Wäldern, seinen vielen grünen Hügeln und den Tausenden blauen Seen ist in unspektakulärem Sinn schön: Die Küsten sind noch nahezu unberührt, die Flüsse laden zu auch von Anfängern leicht zu meisternden Kanutouren ein, und die einsamen Seenlandschaften sind ein Paradies. Eine herausragend schöne und im restlichen Europa wenig bekannte Landschaft ist beispielsweise die Estlands Inselwelt: Die größte Insel, Saareema, ist außerhalb des Regionalzentrums Kuressaare praktisch menschenleer. Im Osten dieses kleinsten baltischen Landes liegt der Peipus-See - fünfmal so groß wie der Bodensee -, an dessen Küsten stehend wir eher den Eindruck eines Meeres bekommen.
Lettland hat aus landschaftlicher Sicht ebenso viel zu bieten wie der skandinavischer wirkende Nachbar im Norden: Der Ostteil Lettlands ist eine Seenplatte, deren Ausdehnung die der Mecklenburgischen Seenplatte bei weitem übertrifft. Dort, in der Abgeschiedenheit der Provinz, hat sich viel ökologisch orientierter Tourismus mit Angeboten wie Reiten oder Kanufahren entwickelt. Eine knappe Stunde von der pulsierenden Metropole Riga entfernt liegt der Gauja-Nationalpark, auch Lettische Schweiz genannt - eine für baltische Verhältnisse geradezu bergige Landschaft.
Litauen hat im Wettbewerb der baltischen Meereslandschaften mit der Kurischen Nehrung die geologisch anspruchsvollste: Auf der einen Seite des häufig weniger als einen Kilometer breiten Küstenstreifens liegt das richtige Meer, auf der anderen Seite liegt das ruhigere Haff. Von den bis zu 60 Meter hohen Dünen der "Litauischen Sahara"" bietet sich ein faszinierender Rundblick.
Die drei baltischen Hauptstädte bieten Kultur und geschichtsträchtige Stätten im Überfluss. Im estnischen Tallinn sind noch ganze Straßenzüge frühhanseatischer Architektur zu sehen. Hohe Speicherhäuser zeugen von einem Mittelalter, das maßgeblich von deutschen Kaufleuten geprägt war. Das lettische Riga hat prozentual gesehen eine höhere Dichte an Jugendstilbauten als jede andere europäische Metropole - mit betörendem Fassadenschmuck wie kaum wo anders. Und in der katholischen Sieben-Hügel-Stadt Vilnius in Litauen ist der Barock die bestimmende Stilrichtung.
Reisen im Baltikum sind Reisen im hohen Norden - die Sommer sind gut vier Wochen kürzer als bei uns. Dafür sind aber die Tage sehr lang: Zur Zeit der Sommersonnenwende, die in allen drei Ländern letztlich aus heidnischer Tradition heraus als wichtigstes Fest des Jahres begangen wird, ist es nur noch etwa zwei Stunden lang dunkel.
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