"Ziemlich lange verharrte ich so in dem schwer beladenen Wagen, bevor ich den Zündschlüssel drehte: Warum mache ich das eigentlich... Hat dieser Schatz noch einen Wert, nachdem ganz historische Städte zerstört, Völker vertrieben wurden?"
April 1945: Schwere alliierte Luftangriffe legen immer mehr deutsche Städte in Trümmer. Die Rote Armee steht vor Wien und tritt zur Schlacht um die Reichshauptstadt an. Die letzten Tage des "Dritten Reiches" sind angebrochen. Tino Walz, der Schweizer Architekt, der in München lebt und bei der Bayerischen Verwaltung der Schlösser, Seen und Gärten arbeitet, entschließt sich zu einer lebensgefährlichen Aktion: Er will wertvolle Kunstschätze vor der Zerstörung und Plünderung retten. Lebensgefährlich deshalb, da Kunstwerke aus Museen zu entfernen als Defätismus, als Verrat am "Endsieg", als Hochverrat gilt.
Mit seinem Opel macht er sich auf den Weg nach Kelheim, wohin der Wittelsbacher Kronschatz aus Sicherheitsgründen ausgelagert worden war. Um sich vor Kontrollen und Luftangriffen zu schützen, kennzeichnet er seinen völlig überladenen Opel mit der Schweizer Flagge und gibt sich als Kurier der Schweizer Botschaft aus. Vor Schloss Neuschwanstein, das nach sicheren Informationen nicht bombardiert werden soll, begegnet er einem Konvoi des berüchtigten "Rosenberg-Kommandos", das Kunstgegenstände aus ganz Europa für das Führermuseum in Linz raubte. Er ändert seinen Plan und verbringt die mit Juwelen besetzten Machtinsignien in Richtung Tegernsee, wo er sie im Kartoffelkeller der Scheune eines einsamen Bauernhofs versteckt.
In einer anderen spektakulären Aktion gelingt es ihm, die berühmte Graphiksammlung aus der unsicher gewordenen Veste Coburg - mit einer bedeutenden Sammlung von Dürer-Graphiken und unersetzbaren Gemälden von Ludwig Cranach u.a. - zu retten. Er lässt sie in wasserdichte Zinkkisten einschweißen und 30 Meter tief im Tegernsee versenken. Im Herbst 1945, als feststeht, dass die Kunstwerke im bayerischen Besitz bleiben würden, gibt der Autor die Verstecke preis. Heute sind alle Kunstwerke wieder an ihren angestammten Plätzen in München und Coburg zu besichtigen. Diese und andere Begebenheiten aus seinem 90jährigen Leben erzählt Tino Walz, der einer breiten Öffentlichkeit durch den Wiederaufbau der Münchner Residenz bekannt gewordene Architekt, erstmals in diesem Buch.
"Der Retter der bayerischen Kulturpreziosen bricht sein Schweigen"
Süddeutsche Zeitung
"Eine beeindruckende Lebensleistung eines Zeitzeugen aus Deutschlands dunkelster Zeit."
Abendzeitung
