Ein Meilenstein für die Interpretation des 20. Jahrhunderts.
Noltes „Europäischer Bürgerkrieg” stand bei seinem Erscheinen 1987 paradoxerweise im Schatten seines FAZ-Artikels vom 6.6.1986 über„Die Vergangenheit, die nicht vergehen will”, der den sogenannten Historikerstreit auslöste und im wesentlichen nur eine Kurzfassung des zu dieser Zeit noch nicht ganz fertiggestellten Buches war. Nach 10 Jahren ist deutlich geworden, daß die vielen Kritiker den Kern der Sache verfehlten und das der „Europäische Bürgerkrieg” einen Durchbruch zu einer umfassenden ideologiegeschichtlichen Interpretation des 20. Jahrhunderts darstellt.
Sechste um eine „Bilanz nach zehn Jahren” und eine neue „Schlußbetrachtung" erweiterte Auflage.
Klappentext
Der Begriff „Historikerstreit” wird heute in der ganzen Welt so gut wie ausschließlich mit jener Auseinandersetzung verbunden, die 1986 begann und mit großer und immer einseitigerer Erbitterung zumindest bis Herbst 1988 geführt wurde, wo eine Stellungnahme des damaligen Bundespräsidenten auf dem Bam
... mehrberger Historikertag ihr Ende zu markieren schien. Eine 1991 erschienene Publikation listete fast 1 200 Artikel und nahezu drei Dutzend Bücher auf, die bis Ende 1988 publiziert worden waren. Kern des Historikerstreits war, ob zwischen dem sowjetischen Kommunismus und dem militanten Antikommunismus der faschistischen Bewegungen und Regime, insbesondere des in Deutschland zur Macht gelangten radikalfaschistischen Nationalsozialismus, ein Verhältnis von Aktion und Re-Aktion, von Herausforderung und Antwort, von Original und Kopie bestanden habe und ob ein „kausaler Nexus”, wenn es ihn denn gegeben habe, auch zwischen den Vernichtungsmaßnahmen der beiden Regime konstatiert werden dürfe.
Am Ende des 20. Jahrhunderts lässt sich über dieses Jahrhundert und seine Epoche Folgendes sagen: Aus dem Ersten Weltkrieg geboren, war die russische Revolution der Bolschewiki das wichtigste und folgenreichste Ereignis des Jahrhunderts, denn sie machte auf gewalttätige Weise den Versuch, den Sozialismus zu realisieren, also einen uralten Menschheitsgedanken, der durch Marx und Engels in eine moderne Form gebracht worden war. Der Versuch scheiterte schon deshalb, weil Marx und Engels Unvereinbares zusammengedacht hatten, nämlich Welteinheit, Familienhaftigkeit und Aufhebung von Apparaten und Versachlichung. Aber es gab zahllosen Menschen eine große Hoffnung und erweckte in zahlreichen anderen einen bis dahin unbekannten Hass.
So wurde der Weg für eine militante Gegenbewegung gebahnt, die sich auf die noch ungebrochene Kraft des Nationalsozialismus stützen konnte und eine Ideologie hervorbrachte, welche mehr auf Vermutungen und Postulaten beruhte als auf Hoffnungen und Einsichten, eine Ideologie, die sich in der Praxis ebenso sehr, wenngleich auf andere Weise, als „Menschenvertilgungsmaschine” erwies, wie zuvor schon das bolschewistische System. So wurde der Zeitraum von 1917 bis 1945 nicht zur Epoche der Weltrevolution, wie Lenin geglaubt hatte, sondern zur Epoche des Faschismus und des europäischen Bürgerkriegs zwischen dem radikalfaschistischen Nationalsozialismus Deutschlands und dem immer staatlicher werdenden Bolschewismus der Sowjetunion.