Als Walter Tilemann seine Eltern verliert, ist er gerade neun Jahre alt. In einem Land, wo Menschen einfach so verschwinden, heißt es jetzt für ihn: überleben.
Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebt Walter mit seinen Eltern - junge deutsche Kommunisten, die dem Aufruf gefolgt sind, eine neue Sowjetunion aufzubauen - in Moskau. Ende der dreißiger Jahre beginnt Stalin, die deutschen ""Gastarbeiter"" als Feinde des Kommunismus zu verfolgen. Im Zuge der Säuberungen wird der Vater, Lektor eines deutschsprachigen Verlages, als vermeintlicher faschistischer Spion verhaftet, seine Mutter kurz darauf ""zur Befragung abgeholt"". Nun plötzlich auf sich allein gestellt, wird Walter von den russischen Behörden in einem Waisenhaus untergebracht, doch als er von den anderen Kindern schikaniert und verhöhnt wird, nimmt er bei der ersten Gelegenheit Reißaus. Nach einer abenteuerlichen Irrfahrt schließt er sich einer Gruppe russischer Partisanen an. Sie setzen den Jungen als Spion ein und von ihnen lernt er das bloße Überleben in Einsamkeit, Kälte und Wildnis. Doch plötzlich scheint sich das Blatt zu wenden: In einem kleinen, von den Deutschen besetzten Dorf lernt der Junge den deutschen Wehrmachtssoldaten Willy Heine kennen und wechselt die Seiten. Walter wird zum ""Soldatenkind"". Zusammen mit Willy und seiner Kompanie überlebt er den langen, eisigen Winter vor Moskau und erhält schlussendlich sogar die ""Ostmedaille"".
1942 bringt ihn Willy nach Bonn, wo Walters Verwandtschaft sich seiner annimmt. Die Eltern gelten jedoch weiterhin als vermisst. Die Hoffnung, dass sie überlebt haben, dass er sie wieder sehen wird, gibt Walter nie auf. Doch erst Jahre später tritt seine Mutter wieder in sein Leben - für immer gezeichnet vom Überlebenskampf in Sibirien. Was mit seinem Vater geschah, sollte sich erst viel später herausstellen.
Walter Tilemann erzählt seine Geschichte unprätentiös und dennoch äußerst spannend - so wird diese dunkle Zeit aus Sicht eines Neunjährigen für heutige Leser greifbar und dient als Mahnmal für weitere Generationen.
