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Café Slavia

Café Slavia

Roman

2001, 1. Auflage, 272 Seiten geb. mit SU
ISBN: 3-7766-2255-5
ISBN: 978-3-7766-2255-3
17,50 EUR D / 18,00 EUR A / 31,10 CHF (UVP)
Herbig

Zwischen ""magischem Realismus und phantastischer Fabulierkunst"" erzählt Ota Filip in diesem phantastischen Roman die Geschichte Prags als einen Teil der Weltgeschichte und unterstreicht deutlich die tschechische Besonderheit: ""Was alles hätten wir vollbringen können, wie groß und stark hätten wir vor dem Antlitz der Geschichte sein können, wenn wir nicht ständig von fremden Mächten besetzt und regiert worden wären! ... Aus diesem 300 Jahre alten böhmischen Gejammer werden viele Menschen die Rechtfertigung ihres permanenten Versagens schöpfen.""

Nikolaus Graf Belecredos, der letzte seines Geschlechts, erlebt in Prag zwischen 1910 und 1968 die großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts: vom Ende der Habsburger Monarchie über die Erste Tschechoslowakische Republik und zwei Diktaturen zum "Prager Frühling". Als Verwandlungskünstler wechselt er immer wieder die Masken, um die geschichtlichen Ereignisse zu überstehen. Viele seiner unzähligen illegitimen Kinder werden Vertreter des jeweils herrschenden Regimes, sind Revolutionäre, Spitzel und Mörder. Ein ruhiger Hafen sind das Café Slavia und dessen Oberkellner Herr Alois, der dem Grafen treu zur Seite steht.
"Demonstrationen, Umzüge, Staatsbegräbnisse zogen am Café Slavia vorbei, fremde Armeen marschierten über die ehemalige Franzensbrücke in die Stadt ein. Straßen, Plätze, Gassen und Brücken wechselten in schneller Reihenfolge die Namen; das Spiel hieß sehr oft anders, die Kulissen und die Komödie blieben aber dieselben. Ab und zu wurden Kostüme gewechselt, neue Masken angelegt, neue Programme und Ideologien verkündet, aber sie waren hier immer nur das, was sie seit eh und je tatsächlich waren: Metaphern, weit von sachlichen Inhalten entfernt, manchmal ein Grund zu berauschender Euphorie, ein andermal wieder eine absurde Entgleisung der Vernunft."
Am Ende seines ereignisreichen Lebens wird Belecredos in der Maske von Lenin eingemauert in der bundesdeutschen Botschaft in Prag gefunden ...


"Es ist eine skurrile Biographie, tief tragisch und trotzdem von blitzendem Humor durchleuchtet. Und in ihr spiegelt sich zugleich das Schicksal der Stadt Prag, ja des ganzen Landes."
Rheinischer Merkur

"Maskenspiel an der Moldau ... In der überquellenden Erzählphantasie Ota Filips verbindet sich ein grotesker Realismus mit einer exakten Fabulierlust, in die nüchterne Welt der Gegenwartspolitik mischt sich die Sagenwelt Prags."
Neue Zürcher Zeitung

"Das Café Slavia, an dem die Moldau und das Leben vorüberfließen, wird zum symbolischen Ort des Erzählers, der dem reißenden Strom der Historie entronnen und in die Betrachterrolle eingegangen ist. Ihm bietet das Jahrhundert mit seinen spektakulären Umstürzen den Anblick eines Musterfalls von Geschichte. ... Sein Nikolaus Belecredos ist der Held eines die Fesseln des Wirklichen und Wahrscheinlichen, freilich nicht des poetisch Wahren sprengenden Schelmenromans."Ê
Süddeutsche Zeitung